Stellungnahme von Greenhattan zum Richtplan 2012, 24.1.13

Basel, 24. Januar 2013

Kantonaler Richtplan Basel-Stadt, Anpassung 2012, öffentliches Planauflage- und Mitwirkungsverfahren 

Geschätzte Damen und Herren

Gerne nimmt die IG Greenhattan wie folgt Stellung zu den Richtplananpassungen 2012 und insbesondere zum Kapitel S 1.3. Schwerpunktgebiet 3Land:

(ganze Stellungnahme unter „Dokumente zu Greenhattan“ zu lesen)

S 1.3 Schwerpunktgebiet 3Land (Teil Basel-Stadt):

Die IG Greenhattan lehnt eine von den umliegenden Quartieren abgetrennte „Teilstadt“ ab. Dasselbe gilt für die Vorstellung, dass im Gebiet des heutigen Hafens am Klybeck- und Westquai total 7000 neue EinwohnerInnen und Arbeitsplätze Platz finden sollen. Berücksichtigt man den bereits fehlenden Grün- und Freiraum, sind höchstens halb so viele Einwohnende und Arbeitsplätze realistisch. Es sollte darauf verzichtet werden, ein bereits sehr dichtes Quartier noch weiter zu verdichten. Statt auf Wachstum und quantitative Ziele zu fokussieren, verlangt die IG Greenhattan die Erarbeitung eines zukunftsfähigen Quartierteils.  Zukunftsfähig bedeutet für die IG Greenhattan in diesem Zusammenhang naturnah mit vielen Grün- und Freiflächen, energiepositiv, autofrei und dank genossenschaftlichen Bauten auch für Personen mit kleinem Einkommen bezahlbar.

Die IG Greenhattan hält eine neue Brücke nach Huningue für unnötig und gar schädlich, wenn sie für den MIV freigegeben wird. Sollte eine Brücke nach Huningue errichtet werden, darf sie ausschliesslich auf den Fuss- und Veloverkehr und allenfalls auf den öffentlichen Verkehr ausgerichtet und von diesen Verkehrsformen genutzt werden.

In der Aufzählung, was für die Erreichung der Ziele vorausgesetzt wird, erscheint die optimale Verknüpfung der Verkehrsträger Wasser, Schiene, Strasse und Luft. Der Luftverkehr ist in dieser Aufzählung fehl am Platz. Für die IG Greenhattan sollte es zudem nicht darum gehen, diese Verkehrsträger optimal zu verknüpfen, sondern wenn schon um eine Verlagerung des Güterverkehrs von Luft und Strasse auf die Schiene.

Wichtig:

Ein wichtiger Punkt in den Voraussetzungen ist der Einbezug der Anliegen der betroffenen Bevölkerung. Hier braucht es aus Sicht der IG Greenhattan eine massive Verbesserung. In die relevanten Fragen wie beispielweise in den Inhalt dieses Richtplanentwurfs wurde weder die Begleitgruppe noch die an den Quartierinformationen anwesende Bevölkerung einbezogen. Statt einer Planung über die Köpfe der Bevölkerung hinweg sollte diese von Anfang an mitbestimmen können, wie ein neuer Quartierteil aussehen und genutzt werden soll.

Bei der Mobilität erwarten wir vom Kanton, dass er klar auf den Fuss- und Veloverkehr und den ÖV setzt und ein autofreies Quartier anstrebt. Eine auf fossilen Energien basierende und massiv platzverschwendende Verkehrsform darf in einem zukunftsfähigen Quartier keinen Platz mehr haben. Zudem darf den Quartieren Klybeck und Kleinhüningen keine weitere MIV-Belastung zugemutet werden,

Zu den Massnahmen / Details

Die Zielsetzungen sind so umfassend und versuchen, alles mit einzubeziehen, dass sie sich teilweise widersprechen und als Zielsetzung wenig bringen. Trotzdem nimmt die IG Greenhattan zu einzelnen Punkten Stellung:

a)    Die IG Greenhattan lehnt eine „Teilstadt“ inmitten bestehender Quartiere ab. Städtebaulich sollte ein neuer Quartierteil sozial- und energetisch „exemplarisch“ sein, sich gut in die umliegenden Quartiere einfügen, viele Grün- und Freiräume beinhalten und einer zukunftsfähigen Nutzung dienen.

c)    Wir befürworten grundsätzlich eine Entwicklung nach innen, lehnen jedoch eine übermässige Verdichtung bereits dichter Stadtteile ab, wie sie im Basler Teil des 3Land-Projektes angedacht ist.

d)    Wir befürworten die Öffnung des Areals für die Bevölkerung und den freien Zugang zum Rhein.

e)    Auch kleinere, wenig wertschöpfungsintensive Betriebe und Firmen sowie un- bzw. wenig kommerzielle Kultur- und Freizeitnutzungen müssen Platz haben. Statt mehr Büroflächen – von denen es in Klybeck/Kleinhüningen bereits jetzt zu viele hat – sollte Raum für Handwerk, Kleingewerbe etc. geschaffen werden.

g)    Die Zugänglichkeit der Rheinufer ist absolut zwingend. Dazu ist es notwendig, dass die geplanten Bauten nicht zu einer weiteren Abtrennung der Quartiere vom Rhein führen. Das gilt neben den Hochbauten auch für einen allfälligen Kanal, welcher die ‚Rheininsel‘ vom Festland abtrennt und das Rheinufer nur über Brücken erreichbar macht.

h)    Was „von hoher Qualität“ ist, soll von der Bevölkerung bestimmt werden. Wichtig ist aus Sicht der IG Greenhattan, dass die Grün- und Freiräume für unterschiedliche Nutzungen für alle Bevölkerungsteile offen stehen, aber auch ökologisch wertvolle Bereiche enthalten.

i)      Die IG Greenhattan befürwortet den Erhalt der wertvollen Naturräume. Neben dem Rhein sind jedoch auch die gesamten Schienenareale im betroffenen Areal gemäss Naturinventar Kanton Basel-Stadt von hohem Wert (http://www.conservation.unibas.ch/teach/naturschutz12/7_Reisner.pdf ).

Sie sollten daher grösstmöglich erhalten bleiben. Nicht zuletzt ist auch das von einem allfälligen dritten Hafenbecken betroffene Areal beim ehemaligen DB-Rangierbahnhof von grossem ökologischem Wert. Wird das hier genannte Ziel der Wahrung wertvoller Naturräume ernst genommen, braucht es grosse Anstrengungen, um den verursachten Verlust an Naturraum mindestens auszugleichen.

j)      Die IG Greenhattan befürwortet diesen Absatz, insbesondere die Erreichbarkeit für den Fuss- und Veloverkehr. Es ist dabei aber zu konkretisieren, dass die Erreichbarkeit für den MIV nicht ausgebaut werden soll.

k)     Der MIV-Anteil am Gesamtverkehr muss mindestens um 10% reduziert werden, das verlangt der Gegenvorschlag zur Städteinitiative. Es wäre daher sinnvoll, auf einen autofreien Quartierteil zu setzen. Während in anderen Kantonen immer mehr Überbauungen autofrei realisiert werden, fehlt in Basel – trotz guter Voraussetzungen – noch immer ein autofreies Ökoquartier.

l)      Die IG Greenhattan verlangt, dass die Umweltbelastungen massiv reduziert werden und nicht bloss eine Stabilisierung angestrebt wird.

m)   Die IG Greenhattan fordert ein energiepositives Quartier und nicht bloss einen „möglichst minimierten“ Gesamtenergieverbrauch.

n)    Eine Finanzierung der Hafenentwicklung und allfälliger Visionen wie eine Rheininsel oder neue Brücken durch die neuen Nutzungen am Klybeck- und Westquai lehnen wir vehement ab. Im Gegenteil, der Kanton sollte bereit sein, zugunsten der Bevölkerung und der Umwelt zu investieren.

Schlussbemerkung:

Wir haben weltweit ein CO2 Problem, das heisst eine CO2 Konzentration, die stetig steigt. Jedes Land, jede Stadt, jedes Projekt trägt dabei einen Teil der Verantwortung. Man kann also nicht mehr planen und bauen wie vor einigen Jahrzehnten. Ein modernes Bauprojekt muss eine geringe CO2 Rechnung aufzeichnen und dabei die graue Energie der ganzen Baustelle einbeziehen. Das Hafenviertel, das wir heute diskutieren, wird gegen 2025 fertig sein, dann wird aber die Klimaproblematik noch akuter sein als heute.

Herzlichen Dank für die Berücksichtigung unserer Anliegen.

IG Greenhattan

Sonja Back, Philippe Bovet, Susanne Kress und Tonja Zürcher